Welche Kosten gibt es?

10 Apr 2018 | Financial education  


Welche Kosten gibt es?

Was es kostet, zu investieren

In unserem ersten Podcast über Sparen und Investieren haben wir bereits gesehen, dass die Menschen investieren, um eine gewisse Rendite zu erzielen.

Wenn sie sich Gedanken darüber machen, wie sie ihr Geld am besten anlegen sollen, konzentrieren sich zahlreiche Investoren in erster Linie auf das Zinsniveau, auf die Wachstumsperspektiven der Unternehmen, von denen sie Aktien erwerben wollen, auf den bisherigen Erfolg von Investmentfonds oder auf mögliche Kapitalgewinne. In den meisten Fällen neigen sie dazu, ein Element zu vernachlässigen oder zumindest zu unterschätzen, das einen großen Einfluss auf den Erfolg ihrer Investition hat: die mit einer Investition verbundenen Kosten.

Ein Spar- oder Wertpapierkonto eines Kunden verwalten, ein Finanzprodukt entwickeln, für einen Kunden an der Börse Wertpapiere kaufen, einen Investmentfonds verwalten oder einen Klienten bei der Geldanlage beraten ... sind alles Finanzdienstleistungen, und diejenigen, die diese Dienstleistungen erbringen, wollen dafür bezahlt werden.

Allerdings erstellen Finanzdienstleister ihren Kunden für ihre Dienstleistungen selten detaillierte Rechnungen. Stattdessen berechnen sie ihren Kunden Gebühren und Provisionen. Das Problem ist, dass die Unternehmen oft sehr diskret sind, was die Kosten für ihre Produkte und Dienstleistungen anbetrifft. Dies führt dazu, dass einige Gebühren und Provisionen klar angegeben sind, andere aber nicht, dass einige Gebühren nur einmal, andere aber immer wieder neu erhoben werden, und dass einige Gebühren feste Beträge sind, andere regelmässig neu festgesetzt werden...

Die Finanzindustrie verkauft Ergebnisse und redet nicht viel über Kosten. Aber beide gehen Hand in Hand: ein guter Anlageertrag wird durch hohe Kosten aufgezehrt. Letztlich ist das, was der Anleger mit seiner Investition verdient, das Ergebnis von Ertrag minus Kosten.

Anlageerfolg beginnt daher damit, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Dazu müssen Sie sich bewusst sein, dass ausgewiesene und versteckte, direkte und indirekte Kosten einer Investition überaus vielfältig sein können. Stellen Sie deshalb so viele Fragen wie möglich um herauszufinden, welche Kosten mit Ihrer spezifischen Investition verbunden sind – und stellen Sie diese Frage bevor Sie investieren. So können Sie nach Alternativen suchen, die die gleiche Rendite zu niederigeren Kosten bieten.

Die erste Art von Kosten, auf die Sie achten müssen, fallen zu dem Zeitpunkt an, an dem Sie Ihre Investition tätigen. Wenn Sie an der Börse investieren, indem Sie beispielsweise Aktien oder Anleihen kaufen, werden Sie Transaktions- und Vermittlungsgebühren zahlen müssen. Wenn Sie in einen Investmentfonds investieren, wird Ihnen in der Regel eine Zeichnungsgebühr in Rechnung gestellt, deren Höhe jeweils von der Art des Fonds abhängt. Direkte Investitionen in Immobilien gehen in der Regel mit relativ hohen Eintragungs-, Anwalts- und Notargebühren einher. Und wenn Sie eine Lebensversicherung abschlieβen, werden die ersten Prämien, die Sie einzahlen, sehr wahrscheinlich dazu verwendet werden, den Agenten zu bezahlen, der Ihnen die Police verkauft hat.

Der Preis, den Sie für Ihr Anlageobjekt bezahlen - ob Aktien, Anleihen, Kunst, Antiquitäten, Wein, Oldtimer oder Immobilien - und die damit verbundenen Transaktionskosten sind längst noch nicht alles. Ist Ihre Investition erst mal gemacht, müssen Sie die Kosten für den Besitz Ihres Anlageobjektes tragen.

Je nachdem, worin Sie in investieren, fallen Kosten für Wartung, Lagerung oder Versicherungen an. Ihre Bank wird Ihnen laufende Gebühren für die Verwahrung Ihrer Wertpapiere auf Ihrem Wertpapierdepot berechnen. Selbst ein einfaches Sparkonto bei Ihrer Bank wird Gebühren für die Kontoführung generieren. Ein Investmentfonds kann Ihnen eine Managementgebühr für die Verwaltung des Fonds abverlangen, oder auch Gebühren für die Verwahrung der Fondsanteile bei einer Depotbank. Darüber hinaus wird jede Transaktion, die vom Fonds selbst vorgenommen wird, Maklerprovisionen generieren.

Seien Sie sich bewusst: Je länger die Laufzeit Ihrer Anlage, desto höher die Auswirkungen der laufenden Gebühren und Provisionen.

Kosten können nicht zuletzt auch dann entstehen, wenn Sie desinvestieren, das heisst, wenn Sie Ihr angelegtes Geld wieder zurückhaben wollen. Denken Sie daran, dass Kosten und Gebühren anfallen können, wenn Sie das Objekt, in das Sie investiert haben, wieder verkaufen. Wenn Sie Ihre Wertpapiere verkaufen, müssen Sie Transaktions- und Vermittlungsgebühren tragen, genau so wie beim Kauf. Investmentfonds können Ihnen eine Rücknahmegebühr berechnen, wenn Sie den Fonds verlassen.

Egal worin Sie investieren, können sich auch Steuern und Abgaben negativ auf die Rendite Ihrer Anlage auswirken.

Diese wenigen Beispiele sind sehr weit davon entfernt, alle Kosten abzudecken, die bei Investitionen auftreten können.

Solide Finanzprodukte haben einen Preis, und gute Finanzberatung verdient eine angemessene Vergütung.

Entscheiden Sie sich deshalb nicht für eine bestimmte Investition, nur weil sie weniger kostet, aber stellen Sie sicher, dass Sie auch nicht zu viel bezahlen. Analysieren Sie sorgfältig Gebühren, Provisionen, Aufwendungen und Abgaben und denken Sie stets daran, dass eine geringe Transparenz eines Finanzprodukts häufig mit hohen Kosten verbunden sein kann.

Wenn Ihnen die Vielfalt der potenziellen Kosten die Lust am Investieren nehmen sollte, denken Sie daran, dass nicht investieren auch Geld kostet: Wenn Sie Ihr Geld einfach nur unter der Matratze aufbewahren, wird die Inflation den Wert Ihres Geldes im Laufe der Zeit schrumpfen lassen.