Was ist ein Anlageberater

Wenn Sie wenig Zeit oder auch wenig Interesse haben sich mit Finanzmärkten und Anlageprodukten zu beschäftigen, sollten Sie eine professionelle Beratung in Anspruch nehmen, die Ihnen bei der Entscheidungsfindung behilflich ist. Die Arbeitsweise wie Anlageberater ihre Aufgaben durchführen hängt u.a. davon ab, ob sie selbstständig sind oder für eine Bank oder ein anderes Finanzinstitut arbeiten. Zudem gibt es von Land zu Land Unterschiede, in welchem Rahmen sie agieren.

Ein Finanzberater ist ein qualifizierter persönlicher Finanzexperte, mit dessen Hilfe Sie entscheiden können, welche der Finanzprodukte am Markt für Ihre Bedürfnisse geeignet sind. Seine Aufgabe besteht darin, anhand Ihrer finanziellen Verhältnisse, Ihres Lebensstils und Ihrer Ziele Ihren individuellen Anlagebedarf zu ermitteln und Ihnen entsprechende Anlageinstrumente zu empfehlen. Dabei wird es sich häufig um Investmentfonds handeln, aber möglicherweise auch um Versicherungspolicen, Pensionspläne oder Hypotheken, die sich am besten für Sie eignen.

In manchen Ländern arbeiten Finanzberater zumeist für Finanzinstitute wie Banken oder Versicherungsgesellschaften. In anderen Ländern wiederum sind unabhängige Finanzberater, die keinem Finanzinstitut angehören, die Regel. In diesem Zusammenhang wird oft der Begriff IFA (Independent Financial Advisor – unabhängiger Finanzberater) gebraucht, der vor allen in Großbritannien ein feststehender Begriff ist und auch die dortige Regulierung widerspiegelt. Auch Fondsgesellschaften können beratend tätig sein, indem sie darüber informieren für welchen Anlegertyp sich die jeweiligen Fonds einigen.

Berater, die bei Banken und anderen Instituten beschäftigt sind, unterstehen der lokalen Finanzaufsicht. Unabhängige Finanzberater werden in der Regel von der Organisation beaufsichtigt, die für die Regulierung der Finanzdienstleister in ihrem Heimatland zuständig ist. In Europa unterliegen Berater ferner der EU-weit geltenden Finanzmarktrichtlinie MiFID (Markets in Financial Instruments Directive), die sehr genau die Verpflichtungen eines Beraters festlegt, eine den Bedürfnissen seiner Kunden entsprechende Beratung zu gewährleisten. Die MiFID-Richtlinie bestimmt ebenfalls, dass Berater zur Erfüllung ihrer Aufgaben über die entsprechende Qualifikation, Kenntnisse und Erfahrung verfügen muss.

Berater können sich auf einen bestimmten Bereich der Finanzdienstleistungen spezialisieren, etwa Altersvorsorge, Kapitalanlagen oder Hypotheken. Ihre Vergütungen können sehr unterschiedlich ausfallen: Manche beziehen ein Gehalt oder auch Provisionszahlungen (einschl. Bestandsprovisionen) aufgrund der getätigten Anlagen ihrer Kunden. Auch können sie den Investoren ein festes Honorar oder einen Stundentarif in Rechnung stellen, ähnlich wie Anwälte. Möglich ist auch eine Gebühr, die sich nach der Gesamthöhe der Vermögenswerte richtet, auf die sich ihre Beratung bezieht. In manchen Fällen werden die Berater nicht vom Anleger bezahlt, sondern erhalten eine Provision vom Anbieter des Fonds bzw. anderer Finanzprodukte. Sie sollten sich in jedem Fall zunächst Klarheit über die Vergütungsmodalitäten schaffen, bevor Sie sich für einen Anlageberater entscheiden.

 

Brauche ich einen Anlageberater?

Es stehen Tausende verschiedene Investmentfonds zur Auswahl und diejenigen zu finden, die sich am besten für Ihre individuellen Bedürfnisse eignen, erfordert Zeit und Fachwissen. Professionelle Berater, sowohl selbstständige als auch Angestellte von Finanzinstituten, verfügen über die Mittel, die Erfahrung und die Kompetenz, um die richtigen Fonds für Sie auszuwählen. Bevor ein Berater eine Empfehlung abgibt, sollte er sich ein umfassendes Bild von Ihrem Anlagebedarf und Ihrer Risikobereitschaft machen. Er kann Ihnen dabei helfen, einen persönlichen Finanzplan zu erstellen und einen Fonds oder ein Fondsportfolio auszuwählen, die zu Ihrem Anlageprofil passen.

Das Gesamtbild. Ein Berater sollte alle relevanten Informationen sammeln, damit gewährleistet ist, dass in Ihrem Interesse auch die richtige Entscheidung getroffen wird. In einem ersten Schritt wird Ihre Ausgangssituation analysiert und Ihre finanziellen Ziele festgelegt.

Objektive Beurteilung. Ein Berater soll objektiv Ihre finanzielle Situation und Ihre finanziellen Ziele analysieren. Sein unvoreingenommenes Urteil sollte nicht durch den Druck und die Emotionen beeinflusst werden, die Sie vielleicht empfinden, wenn Sie beispielsweise an Ausbildungsgebühren, Ihre Altersvorsorge oder einen Immobilienkauf denken.

Mittelallokation. Die meisten Investoren verfolgen mehr als ein Anlageziel. Ein Berater hilft Ihnen, Ihre Anlagemittel Ihren Zielen entsprechend anzulegen. Wenn sich Ihre Situation ändert, können Sie mithilfe Ihres Beraters entscheiden, wie Sie Ihre Mittel entsprechend anders einsetzen können.

Steuerplanung. Ein Berater kann Sie auch in steuerlichen Fragen beraten und steuereffiziente Lösungen empfehlen, die sich für die Steuergesetze Ihres Heimatlandes eignen.

Fragen stellen

Scheuen Sie sich nicht, Ihrem Anlageberater die nachfolgenden Fragen zu stellen, bevor Sie sich beraten lassen. Sie haben es mit Fachleuten zu tun, die entsprechende professionelle Standards einhalten und bestimmte Kernkompetenzen und Fähigkeiten vorweisen müssen.

  • Sind Sie von der Finanzaufsicht Ihres Landes zugelassen?
  • Arbeiten Sie für eine unabhängige Firma oder für eine Bank, Versicherungsgesellschaft oder einen anderen Anbieter von Finanzprodukten?
  • Umfasst Ihre Beratung alle Produkte am Markt oder nur einen Teil?
  • Wie viele Kunden beraten Sie? Haben Sie Referenzen?
  • Sind Sie auf Investmentfonds spezialisiert?
  • Über welche Qualifikationen verfügen Sie?
  • Wie lange sind Sie schon als Finanzberater tätig?
Updated on 01/07/11  
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